
14.07.2026
Podiumsdiskussion über den Beruf der Pflege
Die Bamberger Akademien initiierten die erste Podiumsdiskussion gemeinsam mit Auszubildenden und Vertretern aus Praxis, Bildung und Management.
Im Rahmen der Podiumsdiskussion hatten wir als Auszubildende in der Pflege die Möglichkeit, mit Vertreterinnen und Vertretern aus Praxis, Bildung und Management über die aktuellen Herausforderungen der Pflegeausbildung zu sprechen. Auf dem Podium diskutierten unter anderem Frau Baumann aus der Pflegedirektion der Sozialstiftung Bamberg, Sarah Schmitz vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, Dr. Drossel von der Hochschule Hof sowie Frau von Castell von den Bamberger Akademien. Dabei wurden zahlreiche wichtige Themen angesprochen. Gleichzeitig entstand jedoch der Eindruck, dass die zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreichte, um die Probleme ausreichend zu diskutieren oder konkrete Lösungsansätze zu entwickeln. Gerade angesichts der aktuellen Situation in der Pflege hätten viele Themen mehr Raum verdient.
Ein zentrales Diskussionsthema war die Generalistik. Viele Auszubildende kritisierten die ungleichmäßige Verteilung der Ausbildungsstunden sowie die Vernachlässigung der Pädiatrie. Frau Baumann aus der Pflegedirektion zeigte Verständnis für diese Kritik und betonte, dass Ihr die bestehenden Defizite bewusst seien. Sie machte jedoch deutlich, dass die Ausbildung lediglich die Grundlage bilde und sagte: „Nach der Ausbildung fängt das Lernen an.“ Besonders im Bereich der Pädiatrie sprach Sie von einem „Nadelöhr“, da das derzeitige Ausbildungssystem keine ausreichende Vertiefung ermögliche. Perspektivisch könnten jedoch entsprechende Weiterbildungen eine Lösung darstellen.
Auch Sarah Schmitz räumte ein, dass die generalistische Ausbildung nicht mit den früheren spezialisierten Ausbildungen vergleichbar sei. Ihrer Meinung nach sei die Generalistik in vielen Einrichtungen noch nicht vollständig in der Praxis angekommen. Das Gesundheitssystem sei jedoch darauf ausgelegt, auf diesem Grundwissen aufzubauen. Mit Blick auf die Zukunft erklärte Sie außerdem, dass sich die Pflege zunehmend in den ambulanten Bereich verlagern werde. Eine Umverteilung der Unterrichtsstunden sei derzeit jedoch nicht vorgesehen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Zwischenprüfung. Viele Auszubildende äußerten Kritik an den Prüfungsinhalten und dem damit verbundenen Druck. Zwar können die Pflegeschulen Themenvorschläge einreichen, die Prüfungen selbst werden jedoch vom Ministerium erstellt. Dadurch besteht bei einigen Auszubildenden die Sorge, dass nicht alle behandelten Inhalte gleichermaßen berücksichtigt werden. Zusätzlich wird die Zwischenprüfung von vielen als große Belastung empfunden, da ein Nichtbestehen häufig als Gefahr für das spätere Staatsexamen wahrgenommen wird. Dr. Drossel riet dazu, Prüfungen nicht zu überbewerten. Sie sollten vielmehr als Chance gesehen werden, sich gezielt auf die Abschlussprüfung vorzubereiten. Gleichzeitig übte Dr. Drossel Kritik an der Zusammenstellung der Abschlussprüfungen, die seiner Ansicht nach von den Erfahrungen der jeweiligen Prüfungsersteller beeinflusst werde. Auch die Akademisierung der Pflege wurde kontrovers diskutiert. Während manche darin vor allem ein Projekt des Managements sehen, betonten die Podiumsteilnehmenden deren Bedeutung für die Professionalisierung des Berufs. Dr. Drossel hob hervor, dass akademische Qualifikationen Kompetenzen vermitteln, um evidenzbasiert zu arbeiten. Frau von Castell sprach davon, die Pflege langfristig als eigenständige Profession weiterzuentwickeln. Frau Baumann ergänzte, dass dadurch Eigeninitiative und Handlungsspielräume der Pflegekräfte gestärkt würden.
Natürlich durfte auch das Thema Fachkräftemangel nicht fehlen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass dieser durch den demografischen Wandel zunehmend spürbar wird und die Belastung in der Pflege weiter steigen wird.
Ein weiterer Kritikpunkt betraf die Praxisanleitung. Viele Auszubildende berichteten, dass sie häufig pflegeuntypische Tätigkeiten übernehmen müssten und eine kontinuierliche Anleitung im Arbeitsalltag fehle. Sarah Schmitz erklärte, dass die Praxisanleitung eigentlich nicht nur innerhalb der vorgeschriebenen zehn Prozent stattfinden sollte, sondern auch darüber hinaus. Aufgrund des Personalmangels könne dies in der Realität jedoch häufig nicht umgesetzt werden.
Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass die Probleme in der Pflege bekannt sind. Gleichzeitig wurde klar, dass es derzeit an finanziellen und strukturellen Möglichkeiten fehlt, um viele dieser Herausforderungen zeitnah zu lösen. Es war spürbar, dass sich alle Beteiligten der schwierigen Lage bewusst sind. Dennoch bleibt der Eindruck, dass weiterhin viel Einsatz notwendig sein wird, um die Pflege nachhaltig zu verbessern.
Als Auszubildende nehmen wir aus der Veranstaltung mit, dass unsere Anliegen gehört werden. Gleichzeitig wünschen wir uns künftig mehr Zeit für einen offenen Austausch und vor allem konkretere Lösungsansätze. Die Pflege befindet sich in einer schwierigen Phase – gerade deshalb ist es wichtig, dass Veränderungen nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt werden. Denn die Zukunft der Pflege betrifft nicht nur uns als Auszubildende, sondern die gesamte Gesellschaft.